Nadja Beryl Jerczynski
Nadja Beryl Jerczynski

 

Über meine Arbeit und U2

 

 

 

On the very first day

a spirit imploded

smashing itself into pieces

Since then

man is trying to put himself

together again

leaving footprints in the clay...

 

Nadja Jerczynski 2007

 

 

 

 

 

Die Idee des künstlerischen Austausches

 

Der menschliche Geist sehnt sich nach Einheit, auch der Kunstschaffende. Man nimmt Dinge der äußeren Welt mit in die innere auf wo sie zu einer Position verschmelzen, die gleichzeitig flexibel hinterfragend aber auch konstant sein sollte. Bei diesem Prozess bereichern sich seit jeher verschiedene Kunstformen gegenseitig, kommunizieren miteinander. Ich möchte hier bewußt nicht von "Beeinflussung" sprechen, denn dann wäre der "Beeinflußte" nur passiv beteiligt. Tatsächlich handelt es sich wohl eher um Inspiration und interdisziplinären Austausch, der beginnt sobald der Künstler sein Werk der Öffentlichkeit zugänglich macht.

 

 

 

Warum gerade U2?

 

U2 pflegt diese Art Austausch seit langem auf hohem Niveau. Die Band hat über die Jahre oft mit bekannten Größen aus ihrer eigenen Sparte zusammen gearbeitet und tut dies auch heute noch. Beispielsweise mit den Produzenten Daniel Lanois und Brian Eno, die ihrerseits ihre Kreativität auch in andere Kunstformen ausdehnen (Filmmusik, Videokunst). Nicht zu vergessen der Photograph Anton Corbijn und der Regisseur Wim Wenders, der zu Bono's Script den Film "The Million Dollar Hotel" gemacht hat. In diesem Film wiederum wird in der Lichteinstellung und in der Wahl des Bildausschnitts am Set häufig Bezug auf den bekannten Maler Edward Hopper genommen. (1) Das sensible Verhältnis der beiden Darsteller TomTom und Eloise und die poetische Erzählung ihrer Geschichte haben mich zu einem gleichnamigen Bild angeregt.

 

 

 

Von der Musik zum Bild

 

 

U2 begreift auch ihre Bühnenshows bei Live-Auftritten als komplexe Kunstwerke und nutzt die Kraft von Farben und Bildern, von Video-Montagen und Live-Performance um beim Konzertbesucher einen bestimmten Eindruck zu evozieren, der im Zusammenhang zu den Themen der Stücke steht. Auf diese gefühlsmäßigen Eindrücke reagiere ich mit Bildideen zu denselben Themen. Die meist sehr lyrischen Texte der Band unterstützen die Entstehung solcher Bildideen, da Lyrik sich ohnehin einer bildhaften Sprache bedient. Dies zusammen mit hoher musikalischer Dichte und intelligenten formalen Lösungen ergibt ein komplexes Kunstwerk wie auch ich es zu erreichen versuche. Denn auch ein gutes Bild braucht meiner Meinung nach ein Ziel, - also einen Inhalt und schlüssige formale Ausarbeitung.

 

TRANSFORMATION

 

Wichtig ist mir bei diesem Reaktionsprozess der Aspekt, daß eine Kunstform der anderen nicht zur bloßen Illustration gerät, schließlich handelt es sich um Transformation in eine eigenständige Ausdrucksform wobei ich mich dem geistigen Moment annähere in dem eine malerische Idee zu einer musikalischen entsteht.

 

 

 

Gemeinsamer Boden

 

Diese Art von Kommunikation, die auch eine Quelle für Inspiration ist, entsteht leichter wenn etwas da ist, das mit dem eigenen Anliegen verbunden ist.

 

ALLGEMEINGÜLTIGKEIT

 

Da wäre bei U2 einmal die Allgemeingültigkeit des Werkes, - in meinen Augen auch ein wichtiges Potential der abstrakten Malerei. Denn um eine zeitlose Aussage zu machen die den Menschen als solchen berührt, - egal in welcher Kunstform, muß man vom Erzählen allzu persönlicher Geschichten weggehen. Oder das Werk muß soviel Intimität aufweisen daß jeder Einzelne sich als Mensch angesprochen fühlt.

 

SPIRITUALITÄT

 

Dann ist da die Fähigkeit der Band etwas zu transportieren, daß nicht 1:1 in der Musik oder den Texten "greifbar" ist, sondern sich aus dem Zusammenspiel aller beteiligten Personen und Faktoren ergibt und sich auf Meta-Ebene abspielt. Dies ist das Moment der Spiritualität, das mir beim Malen besonders wichtig ist, da es das Bild zu einem Bedeutungsträger macht und es über seinen ästhetischen Wert hinaushebt.

 

ENIGMA

 

Wie genau das geschieht bleibt im Unerklärbaren und hinterläßt etwas Enigmatisches, durch das sich wirkliche Kunst im Allgemeinen auszeichnet. Zu dieser Art von Transzendenz in der Musik von U2 sind im vergangenen Jahr zwei Tripdychen entstanden: "Gate" und "Gate through the Playboy Mansion".

 

 

 

Flexibilität und Entfaltung

 

Hinzu kommt die große Bandbreite in der Musik von U2, die es möglich macht unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeit zu zulassen aber dabei die eigene Position zu wahren. Das ist etwas was auch in der bildenden Kunst unbedingt notwendig ist um Erstarrung zu vermeiden und es leichter macht nicht auf einem Level stehen zu bleiben, sondern in einer suchenden Bewegung über sich hinaus zu wachsen.

 

Bilder zu U2:

 

"Ultraviolet 1" 2008

"Ultraviolet 2" 2008

"Ultraviolet 3" 2008

"Ultraviolet 4" 2008

"Numb" 2008

"Please" 2008

"Cowboy Software" 2008

"Boy" 2008

"See-Through Dress" 2007

" The Real Thing" 2007

"Even Better than the Real Thing" 2007

"Grace 1 + 2" 2007

" TomTom and Eloise" 2006

"October" 2006

"Slow Dancing" 2006

"U2" 2006

" Gate through the Playboy Mansion" 2006

"Gate" 2006

 

 

 

Quellennachweise:

 

(1)    "The Million Dollar Hotel"; DVD; Filmbegleitender Kommentar von Wim Wenders

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